KfW EH55 endet am 30. Juni 2026: Was Bauherren jetzt noch tun müssen
Die KfW EH55-Förderung endet am 30. Juni 2026. Wer noch eine Baugenehmigung hat, kann bis zu 100.000 Euro Kredit ab 1 % Zins sichern, aber nur noch 6 Wochen.

Am 13. Mai 2026 hat das Bundeskabinett das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beschlossen und Gasheizungen wieder erlaubt. Fast gleichzeitig läuft eine der attraktivsten Neubauförderungen der letzten Jahre aus: Die befristet wiederaufgelegte KfW EH55-Förderung endet unwiderruflich am 30. Juni 2026. Wer noch eine Baugenehmigung in der Schublade hat, muss jetzt handeln, der Zinsvorteil gegenüber dem Markt beträgt fast drei Prozentpunkte.
KfW EH55: Was ist das, und warum läuft es jetzt aus?
Die KfW fördert seit Dezember 2025 wieder Neubauten nach Effizienzhaus-55-Standard, aber befristet mit einem Gesamtbudget von 800 Millionen Euro. Das Programm endet am 30. Juni 2026. Wer den Antrag nicht bis dahin gestellt hat, geht leer aus.
Das Effizienzhaus 55 (EH55) entspricht einem Gebäude, das 55 Prozent der Primärenergie eines Referenzgebäudes verbraucht, deutlich besser als der gesetzliche Mindeststandard, aber weniger anspruchsvoll als das Effizienzhaus 40. Die KfW hatte das EH55-Programm zwischenzeitlich gestrichen; seit dem 2. März 2026 ist es wieder verfügbar, diesmal mit klarer Budgetgrenze.
Seit Wiederaufnahme wurden laut KfW bereits rund 17.000 Wohneinheiten über das Programm gefördert (Stand Ende Februar 2026). Wie viel vom 800-Millionen-Euro-Budget noch übrig ist, kommuniziert die KfW nicht in Echtzeit, wer wartet, riskiert, dass das Kontingent vorher erschöpft ist.
Die Konditionen im Detail: Was du bekommst
Über das KfW-Programm 297/298 'Klimafreundlicher Neubau' gibt es für EH55-Gebäude Kredite ab 1,0 Prozent effektivem Jahreszins auf maximal 100.000 Euro pro Wohneinheit bei zehn Jahren Laufzeit und Zinsbindung.
Zum Vergleich: Der Marktzins für zehnjährige Darlehen liegt laut Interhyp aktuell (Stand 7. Mai 2026) je nach Beleihungsauslauf zwischen 3,72 und 4,06 Prozent. Der Zinsabstand zur KfW beträgt damit rund 2,5 bis 3 Prozentpunkte, auf 100.000 Euro Darlehen spart das über zehn Jahre bis zu 25.000 Euro an Zinsen.
| Merkmal | KfW EH55 (Programm 297/298) | KfW EH40 (Programm 297/298) |
|---|---|---|
| Effektivzins (10 J.) | ab 1,0 % | ab 0,6 % |
| Max. Darlehensbetrag | 100.000 Euro/WE | 150.000 Euro/WE |
| Programm läuft bis | 30. Juni 2026 | Unbefristet |
| Heizung fossil möglich? | Nein | Nein |
| Anforderung | EH55-Standard | EH40-Standard |
| Budget | 800 Mio. Euro (begrenzt) | Kein festes Budget |
Quelle: KfW, Bundesministerium für Wirtschaft, Stand Mai 2026
Wer profitiert, und wer nicht?
Das EH55-Programm richtet sich an Bauherren, die eine Baugenehmigung haben und deren Projekt den EH55-Standard erfüllt. Ohne vorliegende Baugenehmigung ist eine Antragstellung bis 30. Juni 2026 in der Praxis kaum noch möglich.
Das bedeutet konkret: Wer gerade erst plant und noch keine Baugenehmigung hat, schafft die Frist nicht mehr realistisch. Wer aber bereits eine Genehmigung in der Hand hält und ein Angebot von einem Bauunternehmen vorliegen hat, sollte jetzt sofort handeln.
Nicht profitieren können:
- Sanierer (die nutzen stattdessen BEG-Programm 261)
- Bauherren ohne Baugenehmigung
- Projekte, die fossile Heizsysteme als Hauptheizung einplanen
- Käufer von Bestandsimmobilien
Die Förderung gilt ausschließlich für Neubau und Ersterwerb neu errichteter Gebäude.
Schritt-für-Schritt: Antrag stellen bis 30. Juni
Den KfW-Antrag musst du über deine Hausbank stellen, nicht direkt bei der KfW. Der Antrag muss vor Baubeginn eingereicht sein. Rückwirkende Anträge werden grundsätzlich abgelehnt.
So funktioniert der Ablauf in der Praxis:
- Energieberater beauftragen: Ein zugelassener Energieeffizienz-Experte (Energieeffizienz-Experten-Liste der Deutschen Energie-Agentur, dena) muss den EH55-Standard bestätigen. Ohne diesen Nachweis keine Förderung.
- Antrag über Hausbank: Du gehst zu deiner Sparkasse, Volksbank oder Direktbank und bittest um ein KfW-Förderdarlehen aus dem Programm 297/298. Die Bank leitet den Antrag weiter.
- Zusage abwarten: Erst nach der KfW-Zusage darf mit dem Bau begonnen werden. Dieser Schritt dauert in der Praxis aktuell 2 bis 4 Wochen.
- Nachweis nach Fertigstellung: Spätestens nach dem Bezug muss der Energieberater die Einhaltung des EH55-Standards bestätigen.
Wer die 6 Wochen bis Ende Juni nutzen will, muss diese Woche einen Energieberater ansprechen und das Bankgespräch terminieren. Energieberater sind aktuell stark ausgelastet: Vorlaufzeiten von 2 bis 3 Wochen sind üblich.
Alle laufenden KfW-Programme und aktuelle Fördersätze erklärt unser Ratgeber KfW-Förderung 2026. Dort findest du auch Hinweise zu Antragsfristen für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).
GModG und KfW: Was das neue Heizungsgesetz jetzt ändert
Das GModG vom 13. Mai 2026 erlaubt Gasheizungen wieder, aber nicht im KfW-geförderten Neubau. EH55 und EH40 schließen fossile Heizungen als Hauptsystem weiterhin aus. Das GModG ändert an den KfW-Bedingungen nichts.
Viele Bauherren fragen sich gerade: Wenn Gasheizungen wieder erlaubt sind, brauche ich dann noch eine Wärmepumpe für die KfW-Förderung? Die Antwort ist klar: Ja.
Das GModG schafft die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien im Bestand ab. Für KfW-geförderte Neubauten gilt weiterhin die Logik des EH55- oder EH40-Standards, und der schließt fossile Hauptheizsysteme praktisch aus. Eine Gasheizung als einzige Wärmequelle ist mit dem Niedrigenergiebedarf eines EH55-Gebäudes kaum vereinbar; die meisten Energieberater setzen hier auf Wärmepumpe plus Photovoltaik.
Wer ohne KfW-Kredit baut, kann durch das GModG künftig auch im Neubau eine Gasheizung einbauen, muss dann aber ab 2029 steigende Biomethan-Anteile einhalten (die sogenannte Bio-Treppe). Für den KfW-geförderten Neubau ist das irrelevant.
Deine Gesamtkosten inklusive Heizungssystem und Effizienzklasse kannst du mit dem Baukostenrechner durchkalkulieren.
EH55 oder EH40, lohnt sich der Aufwand?
EH40 ist anspruchsvoller, günstiger im Zins und nicht befristet. Wer Zeit und Budget hat, sollte EH40 anstreben. Wer unter Zeitdruck steht, sollte EH55 bis Ende Juni sichern.
Die Frage, welcher Standard die bessere Wahl ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Mehrkosten EH40 vs. EH55 im Bau: Rund 15.000 bis 30.000 Euro mehr für Dämmung, Fenster und Lüftungsanlage (je nach Haustyp und Größe)
- Zinsvorteil EH40 gegenüber EH55: 0,4 Prozentpunkte weniger, dafür 50.000 Euro mehr Darlehen möglich, bei 10 Jahren und 150.000 Euro ca. 8.000 Euro Zinseinsparung zusätzlich
- EH40 läuft unbefristet: Wer noch 3 bis 6 Monate für Planung braucht, ist mit EH40 besser beraten
Für ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche rechnet sich EH55 jetzt sofort, wenn die Baugenehmigung vorliegt. Für größere Projekte mit mehreren Wohneinheiten lohnt der Vergleich mit EH40 in jedem Fall.
Auf der Seite Einfamilienhaus Kosten findest du aktuelle Baupauschalen für ein typisches EH55-fähiges Einfamilienhaus als Ausgangspunkt für deine Kostenplanung.
Bauzinsen Mai 2026: Warum der KfW-Vorteil jetzt besonders groß ist
Die Marktzinsen für Baufinanzierungen liegen im Mai 2026 zwischen 3,72 und 4,06 Prozent (10 Jahre, je nach Beleihungsauslauf). Die KfW EH55 bietet ab 1,0 Prozent, der Spread von fast 3 Prozentpunkten ist historisch hoch.
Zum Vergleich: In der Niedrigzinsphase 2019/2020 lagen Marktzinsen bei 0,8 bis 1,2 Prozent, da war der KfW-Vorteil kaum spürbar. Heute ist er enorm. Bei 100.000 Euro Darlehenssumme und 10 Jahren Zinsbindung ergibt sich:
| Szenario | Zinssatz | Monatliche Rate* | Zinslast gesamt |
|---|---|---|---|
| Marktdarlehen (80 % Beleihungsauslauf) | 3,82 % | ca. 575 Euro | ca. 18.900 Euro |
| KfW EH55 | 1,0 % | ca. 440 Euro | ca. 5.100 Euro |
| Ersparnis KfW | , | 135 Euro/Monat | 13.800 Euro |
Annahme: 10 Jahre Laufzeit, Tilgung 2 %, 100.000 Euro Darlehen. Quellen: Interhyp (07.05.2026), KfW
Auf aktuelle Vergleichswerte für Bayern, eines der teuersten Bundesländer beim Hausbau, wo die Förderung deshalb besonders viel ausmacht, kannst du auf Baukosten Bayern zugreifen.
FAQ: KfW EH55 und Frist 30. Juni 2026
Bis wann muss ich den KfW-Antrag für EH55 stellen?
Der Antrag muss bis spätestens 30. Juni 2026 bei deiner Hausbank eingereicht sein. In der Praxis solltest du den Antrag bis Mitte Juni einreichen, damit die Bearbeitungszeit von 2 bis 4 Wochen noch ausreicht, bevor das Budget aufgebraucht ist.
Brauche ich eine Baugenehmigung für den EH55-Antrag?
Ja. Die KfW verlangt im Zuge des Antrags den Nachweis der Baugenehmigung. Ohne erteilte Baugenehmigung ist eine fristgerechte Antragstellung bis 30. Juni 2026 nicht möglich.
Was passiert, wenn das Budget von 800 Millionen Euro vorher aufgebraucht ist?
Sobald das Kontingent erschöpft ist, nimmt die KfW keine neuen EH55-Anträge mehr an, auch wenn der 30. Juni noch nicht erreicht ist. Das ist bei früheren Programmauflagen bereits passiert. Ein früher Antrag ist deshalb deutlich sicherer.
Kann ich EH55 und andere KfW-Programme kombinieren?
Ja. Das EH55-Darlehen aus Programm 297/298 lässt sich etwa mit dem KfW-Wohneigentumsprogramm 124 kombinieren. Auch regionale Förderprogramme der Bundesländer sind grundsätzlich kombinierbar, solange keine Doppelförderung derselben Kosten entsteht.
Was ändert sich für EH55-Bauherren durch das GModG?
Für KfW-geförderte EH55-Neubauten ändert das GModG nichts an den Bedingungen. Fossile Heizungen als Primärsystem bleiben ausgeschlossen. Das GModG betrifft vor allem Sanierungen und Neubauten ohne KfW-Kredit.
Lohnt sich EH55 noch, wenn ich erst in 8 Monaten baue?
Nein, die EH55-Förderung läuft am 30. Juni 2026 aus. Für einen späteren Baubeginn ist EH40 (Programm 297/298) die Alternative: etwas höhere Baukosten, aber ein günstigerer Zinssatz von 0,6 Prozent und ein höheres Darlehen von bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit, und keine Budgetbeschränkung.
Hinweis zu diesem Artikel
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und wurde von der Redaktion Baukostenplan.de auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen erstellt. Er ersetzt keine individuelle Beratung durch einen zugelassenen Fachmann (Architekt, Ingenieur, Energieberater, Steuerberater, Anwalt). Alle Angaben ohne Gewähr.
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