KfW EH55-Förderung endet am 30. Juni 2026: Was Bauherren jetzt noch tun können
Am 30. Juni 2026 läuft die KfW-Förderung für den Effizienzhaus-55-Standard aus. Sechs Wochen bleiben noch, was Bauherren jetzt wissen müssen.

Die Uhr tickt: Wer beim Neubau noch von der vergünstigten Effizienzhaus-55-Förderung der KfW profitieren will, hat nur noch wenige Wochen Zeit. Am 30. Juni 2026 endet die befristete Förderstufe, und danach steigen die Anforderungen deutlich.
Was ist die KfW-EH55-Förderung, und warum endet sie?
Die EH55-Förderung ist ein zinsvergünstigtes Kredit-Programm der KfW, das Bauherren beim Neubau eines besonders energieeffizienten Hauses unterstützt. Sie endet am 30. Juni 2026, weil das Bundesbauministerium dafür nur 800 Millionen Euro bereitgestellt hat, und die Frist politisch befristet ist.
Das Programm läuft unter dem Dach des KfW-Programms 298 (Klimafreundlicher Neubau: Wohngebäude). Es richtet sich an private Bauherren, die ein neues Wohngebäude nach dem Effizienzhaus-55-Standard errichten. Der Standard bedeutet: Das Gebäude verbraucht maximal 55 Prozent der Energie eines Referenzgebäudes nach Gebäudeenergiegesetz (GEG).
Ab dem 1. Juli 2026 gibt es für Neubauten nur noch die strengere EH40-Förderung, mit anderen Anforderungen und anderen Konditionen.
Welche Konditionen bietet die EH55-Förderung konkret?
Bis zu 100.000 Euro Kredit je Wohneinheit zu 1,00 Prozent effektivem Jahreszins bei zehn Jahren Laufzeit, damit liegt der Förderzins rund drei Prozentpunkte unter dem aktuellen Marktzins von rund 3,9 Prozent.
Bei einem Kredit von 100.000 Euro und zehn Jahren Laufzeit spart der EH55-Förderkredit im Vergleich zum Marktüblichen rund 15.000 Euro an Zinskosten. Das ist eine konkrete Entlastung, gerade in einer Phase, in der Bauzinsen im freien Markt bei 3,8 bis 4,3 Prozent liegen.
| Merkmal | EH55 (bis 30.06.2026) | EH40 (ab 01.07.2026) |
|---|---|---|
| Kredit je Wohneinheit | bis 100.000 € | bis 150.000 € (mit QNG) |
| Effektivzins (10 Jahre) | 1,00 % | 0,60 % |
| Tilgungsfreie Zeit | bis 5 Jahre | bis 5 Jahre |
| Biomasse-Heizung erlaubt | Ja | Nein |
| Öl-/Gasheizung | Nein | Nein |
| QNG-Siegel nötig | Nein | Ja (für max. Kredit) |
Wer kann noch einen Antrag stellen?
Der Antrag muss bis spätestens 30. Juni 2026 bei der KfW vorliegen, nicht nur bei der Bank eingereicht, sondern tatsächlich bei der KfW angekommen.
Das bedeutet in der Praxis: Der Antrag läuft immer über eine Hausbank oder einen Finanzierungsvermittler. Weil die Banken eigene Bearbeitungszeiten haben, empfehlen viele Finanzierungsberater, die Unterlagen bis spätestens 15. Juni 2026 bei der Bank einzureichen. Danach kann es eng werden.
Berechtigt sind:
- Private Bauherren, die ein neues Wohngebäude errichten
- Ersterwerber eines neuen Hauses oder einer neuen Wohnung (Kauf vom Bauträger)
- Das Vorhaben darf zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht begonnen worden sein (kein Spatenstich)
Nicht berechtigt sind Personen, die bereits einen KfW-Kredit für dasselbe Gebäude erhalten haben. Außerdem gilt: Sind die 800 Millionen Euro Budget vorzeitig ausgeschöpft, endet das Programm schon vor dem 30. Juni.
EH55 vs. EH40: Was ist der Unterschied in der Praxis?
EH40 ist anspruchsvoller als EH55, der Jahres-Primärenergiebedarf darf nur 40 Prozent des GEG-Referenzgebäudes betragen. Das kostet in der Regel 12.000 bis 20.000 Euro Aufpreis gegenüber dem EH55-Standard.
Die wichtigsten Unterschiede im Alltag der Bauplanung:
Heizung: EH55 erlaubt noch Biomasse-Heizungen (Pellets, Scheitholz). EH40 schließt das aus, hier ist in der Regel eine Wärmepumpe, Fernwärme oder Solarthermie Pflicht. Wer auf dem Land baut und keinen Fernwärmeanschluss hat, muss bei EH40 zwingend eine Wärmepumpe einplanen.
Dämmung: EH40 verlangt dickere Außenwände, bessere Fenster und eine lückenlosere Gebäudehülle. Mit Standardkatalogprodukten kommt man beim EH40 oft nicht aus.
Kosten: Die Differenz liegt laut BKI-Auswertungen bei typischerweise 12.000 bis 20.000 Euro für ein Einfamilienhaus. Das variiert stark nach Grundriss, Heizungsart und regionalen Handwerkerpreisen.
Förderkredit: EH40 bietet mit 0,60 Prozent den günstigsten Zinssatz, und bis zu 150.000 Euro Kredit je Wohneinheit mit QNG-Siegel. Rechnerisch kann sich EH40 trotz Mehrkosten also dennoch lohnen, wenn der höhere Kreditrahmen ausgeschöpft wird.
Mit dem Baukostenrechner lässt sich ermitteln, was ein Neubau nach EH55 oder EH40-Standard in deiner Region konkret kostet, inklusive der Aufpreise für die jeweilige Haustechnik.
Was passiert nach dem 30. Juni 2026?
Ab dem 1. Juli 2026 gibt es kein KfW-Förderprogramm mehr für den EH55-Standard. Wer dann neu baut, braucht mindestens EH40, um in den Genuss der KfW-Neubauförderung zu kommen.
Das ist eine strukturelle Änderung, keine vorübergehende Pause. Der Druck auf Bauherren, den EH40-Standard zu erfüllen, steigt, auch weil die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) ab 2030 Nullemissionsgebäude als Mindeststandard vorschreibt.
Zur Einordnung: Schon heute erfüllen viele KfW-geförderte Neubauten faktisch den EH40-Standard, weil er für die günstigsten Zinsen und die höchsten Kreditbeträge erforderlich ist. Die EH55-Option war für Bauherren interessant, die eine Pelletheizung planten oder sich den Aufpreis für EH40 nicht leisten wollten oder konnten.
In Bayern, wo die Neubaukosten für ein Einfamilienhaus deutlich über dem Bundesschnitt liegen, konnte die EH55-Förderung den Unterschied zwischen einem finanzierbaren und einem zu teuren Projekt ausmachen. Mehr zu den regionalen Kostenniveaus auf der Seite Baukosten Bayern.
Was du jetzt noch tun kannst, drei konkrete Schritte
Wer ein Bauvorhaben nach EH55-Standard geplant hat, muss jetzt handeln. Sechs Wochen klingen nach viel, für eine KfW-Beantragung sind sie knapp.
Schritt 1: Energieberater sichern Für einen KfW-Kredit ist ein Energie-Effizienz-Experte (EEE) zwingend erforderlich. Dieser muss in der Bundesexpertenliste (dena) geführt sein und das Gebäude als EH55-konform bestätigen. Reserviere jetzt einen Termin, in der Baubranche sind die Kapazitäten im Frühjahr begrenzt.
Schritt 2: Antrag über die Hausbank einreichen Der KfW-Kredit wird immer über eine Hausbank oder einen Finanzierungsvermittler beantragt, nicht direkt bei der KfW. Stelle sicher, dass deine Bank den Antrag bis spätestens 15. Juni an die KfW weiterleitet, das gibt noch zwei Wochen Puffer.
Schritt 3: Budget-Status der KfW prüfen Die 800 Millionen Euro Budget für EH55 sind endlich. Sind die Mittel erschöpft, endet die Förderung auch vor dem 30. Juni. Erkundige dich bei der KfW-Hotline (0800 539 9002, kostenlos) oder deiner Bank nach dem aktuellen Verfügbarkeitsstatus.
Wer gerade plant, welchen Haustyp er bauen möchte, findet auf der Seite Einfamilienhaus Kosten eine Übersicht der typischen Kostenblöcke, inklusive der Auswirkungen des Energiestandards auf den Endpreis.
Was ist mit der KfW-Förderung für Sanierungen?
Die KfW-Förderung für Sanierungen (Bundesförderung für effiziente Gebäude, BEG) ist von der EH55-Fristlage nicht betroffen, sie läuft weiter und wurde seit März 2026 sogar verbessert.
Für Sanierungen gilt aktuell:
- BAFA-Zuschüsse für Einzelmaßnahmen (Heizung, Fenster, Dämmung): bis zu 35 Prozent Förderquote
- KfW-Kredit für Komplettsanierung auf Effizienzhaus-Niveau: bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit
- Sanierungsfahrplan (iSFP) als Bonus: plus 5 Prozentpunkte auf die Förderquote
- Wärmepumpen-Einzelförderung: bis zu 70 Prozent in bestimmten Einkommenskonstellationen
Die Sanierungsförderung hat keine vergleichbaren Stichtage wie die EH55-Neubauförderung. Dennoch lohnt es sich, Maßnahmen zu planen, bevor mögliche Haushaltskürzungen die Fördersätze beeinflussen. Einen vollständigen Überblick über alle aktuellen Programme gibt der Ratgeber KfW-Förderung 2026.
FAQ: KfW EH55: Häufige Fragen
Gilt die Frist 30. Juni für den Antragseingang bei der KfW oder bei der Bank?
Der Antrag muss bis zum 30. Juni 2026 bei der KfW eingegangen sein. Da der Antrag über eine Hausbank läuft, solltest du deiner Bank ausreichend Zeit lassen, empfohlen wird eine Einreichung bis spätestens 15. Juni.
Kann ich den EH55-Antrag stellen, wenn das Haus noch nicht genehmigt ist?
Ja. Du kannst den Förderantrag vor der Baugenehmigung stellen. Entscheidend ist, dass der Bau noch nicht begonnen hat, kein Spatenstich, kein Baubeginn, zum Zeitpunkt der Antragstellung.
Was kostet der Aufpreis für EH40 gegenüber EH55?
Für ein typisches Einfamilienhaus liegt der Mehraufwand bei 12.000 bis 20.000 Euro, je nach Heizungskonzept und Gebäudezuschnitt. EH40 erfordert in der Regel eine Wärmepumpe statt Biomasse und eine lückenlosere Dämmung der Gebäudehülle.
Lohnt sich EH55 noch, wenn EH40 günstiger finanziert wird?
Das hängt vom Einzelfall ab. EH40 bietet 0,60 Prozent Effektivzins statt 1,00 Prozent und bis zu 150.000 Euro Kredit (mit QNG) statt 100.000 Euro. Bei einem voll ausgeschöpften Kredit von 100.000 Euro macht der Zinsvorteil über zehn Jahre rund 4.000 Euro aus. Ob das den Mehraufwand von 12.000 bis 20.000 Euro kompensiert, ist von Gebäude zu Gebäude verschieden.
Gibt es nach dem 30. Juni 2026 noch irgendeine EH55-Förderung auf Bundesebene?
Nein. Auf Bundesebene endet die EH55-Neubauförderung am 30. Juni 2026 endgültig. Manche Bundesländer haben eigene Förderprogramme: Bayern (LfA), NRW (NRW.BANK) oder Hessen (WIBank) bieten ergänzende Wohnbauförderung an. Die Details musst du direkt bei den jeweiligen Landesförderbanken erfragen.
Kann ich EH55 und EH40 in einem Antrag kombinieren?
Nein. Ein Gebäude wird nach einem Standard zertifiziert und beantragt. Eine Kombination ist nicht möglich, du musst dich für einen Standard entscheiden, bevor der Antrag eingereicht wird.
Hinweis zu diesem Artikel
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und wurde von der Redaktion Baukostenplan.de auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen erstellt. Er ersetzt keine individuelle Beratung durch einen zugelassenen Fachmann (Architekt, Ingenieur, Energieberater, Steuerberater, Anwalt). Alle Angaben ohne Gewähr.
Hinweis zu Finanz- und Förderangaben
Keine Finanzberatung iSd § 34f GewO. Förderbedingungen und Zinssätze ändern sich kurzfristig. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 2026-07-31. Verbindliche Auskünfte erhalten Sie direkt bei der KfW (kfw.de), beim BAFA (bafa.de) oder bei Ihrer Hausbank.
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