Serielles Sanieren 2026: BEG-Reform weitet EH70-Bonus aus: Kosten, Ablauf und KfW-Förderung
Ab September 2026 gilt der SerSan-Bonus auch für EH70 EE. Was Serielles Sanieren kostet, wie der Ablauf in 4 Phasen funktioniert und was sich durch die BEG-Reform ändert.

Das Serielles Sanieren bekommt 2026 deutlich mehr Reichweite: Mit der BEG-Reform, die am 21. Juli 2026 in Kraft tritt, wird der SerSan-Bonus auf den EH70-EE-Standard ausgeweitet. Das bedeutet: Hauseigentümer, die bisher wegen zu strenger Anforderungen auf das Industrie-Verfahren verzichtet haben, kommen jetzt an die Förderung, und zahlen weniger, weil EH70 EE leichter erreichbar ist als EH55 oder EH40. Was Serielles Sanieren 2026 kostet, wie der Ablauf funktioniert und ab wann du Anträge stellen kannst.
Was ist Serielles Sanieren, und warum spricht gerade alle Welt davon?
Beim Seriellen Sanieren werden vorgefertigte Fassaden-, Dach- und Technikmodule in der Fabrik hergestellt und innerhalb weniger Tage vor Ort per Kran montiert. Das Ergebnis: Vollsanierung eines Wohngebäudes in einem Bruchteil der Zeit klassischer Bauarbeiten, bei vergleichbarer oder besserer Energiebilanz und ohne monatelange Baustelle.
Das Konzept stammt aus den Niederlanden (Energiesprong) und hat in Deutschland in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Statt Handwerker Woche für Woche im Gebäude arbeiten zu lassen, wird alles digital geplant, im Werk gefertigt und dann mit dem Kran in die Außenhülle eingepasst.
Die wichtigsten Merkmale im Überblick:
- Vorgefertigte, hochdämmende Fassadenelemente (Fenster bereits integriert)
- Dachelemente mit optionaler Photovoltaik
- Technikmodule (Wärmepumpe, Lüftungsanlage, Speicher)
- Montage in 3 bis 14 Tagen: Bewohner können während der Montage im Haus bleiben
- Digitale 3D-Vermessung als Basis für millimetergenaue Fabrikation
Besonders für vermietete Mehrfamilienhäuser rechnet sich das: Kein Mietausfall, keine Umsiedlungskosten, deutlich kürzere Bauzeit als bei klassischer Sanierung.
Wie läuft ein serielles Sanierungsprojekt konkret ab?
Ein serielles Sanierungsprojekt durchläuft vier klar definierte Phasen: digitale Vermessung, Planung, Fabrikation und Montage. Der eigentliche Baustellenbetrieb am Gebäude dauert dabei nur wenige Tage.
Phase 1: Digitale Vermessung: Das Gebäude wird mit 3D-Laserscannern und Drohnen millimetergenau erfasst. Dieses Modell ist die Grundlage für alle weiteren Schritte: Abweichungen vom Plan sind beim Seriellen Sanieren teurer als im klassischen Bau, daher ist diese Phase entscheidend.
Phase 2: Digitale Planung und Engineering: Aus dem Scan entsteht ein detailliertes Gebäudemodell. Ingenieure berechnen Wärmebrücken, dimensionieren die Haustechnik und legen die Schnittstellen zwischen Modulen und Bestandsgebäude fest. Auch der Energie-Effizienz-Experte (EEE) arbeitet in dieser Phase mit, um den Effizienzhaus-Standard zu bestätigen.
Phase 3: Fabrikation: Fassadenelemente, Dachelemente und Technikcontainer werden im Werk produziert. Typische Elemente sind großformatige, vorisolierte Wandtafeln mit bereits eingebautem Fenster und fertiger Außenoberfläche, sie werden buchstäblich wie eine zweite Haut vor die Bestandswand gehängt.
Phase 4: Montage vor Ort: LKWs liefern, der Kran setzt die Elemente. Die Außenhülle eines Mehrfamilienhauses mit zwölf Wohneinheiten ist oft in fünf bis zehn Arbeitstagen gesetzt. Danach folgen Innenarbeiten und der Anschluss der Haustechnik.
Was ändert sich durch die BEG-Reform ab 21. Juli 2026?
Die BEG-Reform bringt für Eigentümer, die seriell sanieren wollen, zwei wesentliche Neuigkeiten: Der SerSan-Bonus im KfW-Programm 261 wird auf den EH-70-EE-Standard ausgeweitet. Außerdem gibt es den Bonus erstmals auch für Nichtwohngebäude. Anträge für den neuen EH70-EE-Bonus sind voraussichtlich ab Ende September 2026 möglich.
Konkret gilt ab der BEG-Reform:
| Effizienzhaus-Standard | SerSan-Bonus | Antrag möglich ab |
|---|---|---|
| EH 40 (Wohngebäude) | + 15 Prozentpunkte | sofort (KfW 261) |
| EH 55 (Wohngebäude) | + 15 Prozentpunkte | sofort (KfW 261) |
| EH 70 EE (Wohngebäude) | + 5 Prozentpunkte (neu) | voraussichtlich Ende September 2026 |
| EH 55/40 (Nichtwohngebäude) | + 5 Prozentpunkte (neu) | voraussichtlich Ende September 2026 |
Quelle: Bundeswirtschaftsministerium, Pressemitteilung BEG-Reform 8. Juli 2026
Warum ist der EH70-EE-Standard so wichtig? Viele Gebäude aus den 1950er bis 1990er Jahren können EH55 oder EH40 nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand erreichen. EH70 EE ist für viele von ihnen realistisch erreichbar, wenn Fassade, Dach und Heizung umgestellt werden, genau das, was Serielles Sanieren leistet.
Das BEG-Reform-Paket im Gesamtüberblick erklärt der Ratgeber zur KfW BEG-Reform Juli 2026.
Was kostet Serielles Sanieren 2026?
Serielles Sanieren kostet 2026 zwischen 650 und 1.000 Euro pro Quadratmeter Nettogrundfläche, etwas mehr als klassische Vollsanierung, dafür mit erheblich kürzerer Bauzeit und geringeren Leerstandskosten.
Für ein typisches Einfamilienhaus (150 m² Wohnfläche):
| Sanierungsumfang | Kosten ca. | Effizienzhaus-Ziel |
|---|---|---|
| Seriell, Fassade + Dach + Wärmepumpe | 90.000 bis 130.000 € | EH55 oder EH40 |
| Seriell, Fassade + Dach + Wärmepumpe | 70.000 bis 100.000 € | EH70 EE (neues Ziel) |
| Klassisch, vergleichbarer Standard | 75.000 bis 120.000 € | EH55 |
Kosten netto, ohne MwSt. Richtwerte aus Branchendaten 2026.
Für ein Mehrfamilienhaus mit 12 Wohneinheiten (je 80 m² Wohnfläche):
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gesamtkosten ca. | 700.000 bis 960.000 € |
| Kosten je Wohneinheit | 58.000 bis 80.000 € |
| Montagezeit Außenhülle | 7 bis 14 Arbeitstage |
| Förderhöchstbetrag KfW 261 | 150.000 € je Wohneinheit |
| Mietausfälle während Sanierung | minimal bis null |
Der entscheidende Unterschied zur klassischen Sanierung liegt nicht nur in der Zeit: Bei vermieteten Beständen entfallen Mietausfälle und Umzugskosten. Bei einem MFH mit 12 Einheiten à 900 Euro Kaltmiete macht das allein 10.800 Euro pro Monat klassischer Baustelle aus, die beim Seriellen Sanieren wegfallen.
Wie stark die Baukosten regional variieren, zeigt der Überblick der Baukosten Nordrhein-Westfalen, einer der wichtigsten Märkte für Mehrfamilienhaus-Sanierungen in Deutschland.
Förderung: KfW 261 und SerSan-Bonus kombinieren
Die Hauptförderung für Serielles Sanieren läuft über KfW 261 (Bundesförderung für effiziente Gebäude: Wohngebäude Kredit). Der SerSan-Bonus kommt als zusätzliche Prozentpunkte auf den Tilgungszuschuss obendrauf. Der Kredit läuft zinsgünstig über KfW, der Zuschuss-Teil muss nicht zurückgezahlt werden.
Für den Förderantrag brauchst du:
- Energie-Effizienz-Experten (EEE): Pflicht. Nur zugelassene EEE können die Bestätigung zum Antrag (BzA) und nach Durchführung (BnD) ausstellen.
- KfW-Antrag vor Vertragsschluss: Antrag stellen, bevor du mit einem Anbieter den Sanierungsvertrag unterschreibst. Nachträgliche Anträge werden abgelehnt.
- Nachweis Serielles Sanieren: Der Anbieter muss nachweisen, dass vorgefertigte Fassaden- und/oder Dachelemente verwendet werden.
- Bestätigung nach Durchführung: Nach Fertigstellung erstellt der EEE die BnD, erst dann fließt der Tilgungszuschuss.
Ein Energie-Effizienz-Experten findest du über die dena-Expertenliste (energieeffizienz-experten.de). Die Beratungskosten selbst sind über BEG-Einzelmaßnahmen teilweise förderbar.
Für eine vollständige Kalkulation deines Sanierungs- und Finanzierungsplans bietet sich der Baukostenrechner an.
Für wen lohnt sich Serielles Sanieren, und für wen nicht?
Serielles Sanieren rechnet sich besonders bei Mehrfamilienhäusern ab sechs Wohneinheiten, bei Gebäuden in schlechtem energetischem Zustand (Energieklasse F oder G) und wenn Leerstandszeiten durch klassische Sanierung wirtschaftlich teuer werden. Für Einfamilienhäuser wächst das Angebot seit der EH70-Erweiterung spürbar.
Serielles Sanieren lohnt sich, wenn:
- Das Gebäude vor 1990 gebaut und noch kaum gedämmt ist
- Als Vermieter Mietausfälle minimiert werden sollen
- Das Gebäude eine regelmäßige Geometrie hat (macht Serienplanung günstiger)
- Fassade oder Dach ohnehin erneuert werden müssen
- Das Ziel EH70 EE ist (neu förderfähig, leichter erreichbar)
Serielles Sanieren lohnt sich weniger, wenn:
- Das Gebäude eine sehr ungewöhnliche Geometrie oder viele Erker hat
- Der Energieausweis bereits Klasse C oder besser zeigt
- Nur Einzelmaßnahmen geplant sind (z.B. nur Heizungstausch ohne Fassade)
- Das Projekt zu klein ist (unter 4 bis 6 Wohneinheiten bei MFH)
Die Marktreife für Einfamilienhäuser nimmt seit 2024 zu. Besonders wenn mehrere Nachbargebäude mit ähnlicher Geometrie gleichzeitig saniert werden, sinkt der Planungsanteil je Gebäude und die Wirtschaftlichkeit verbessert sich deutlich.
FAQ: Serielles Sanieren 2026
Was ist der Unterschied zwischen Seriellem und klassischem Sanieren?
Beim klassischen Sanieren arbeiten Handwerker Schritt für Schritt auf der Baustelle: Fassade, Dach und Haustechnik werden nacheinander über Monate ausgeführt. Beim Seriellen Sanieren werden diese Elemente vorgefertigt und in wenigen Tagen per Kran montiert. Der wesentliche Vorteil ist die drastisch kürzere Bauzeit und die Möglichkeit, dass Bewohner während der Montage im Haus bleiben können.
Ab wann gilt der SerSan-Bonus für EH70 EE?
Voraussichtlich ab Ende September 2026 können Anträge auf den SerSan-Bonus für den neuen EH70-EE-Standard gestellt werden. Das genaue Datum gibt KfW separat bekannt. Für EH55 und EH40 läuft der SerSan-Bonus über KfW 261 bereits jetzt und ist durch die BEG-Reform ab 21. Juli 2026 weiterhin verfügbar.
Wie hoch ist der SerSan-Bonus konkret?
Der SerSan-Bonus beträgt 15 Prozentpunkte zusätzlich zum Tilgungszuschuss bei EH55 und EH40, und 5 Prozentpunkte bei EH70 EE (neu ab Herbst 2026). Auf einen Kredit von 150.000 Euro je Wohneinheit bedeuten 15 Prozentpunkte Bonus einen zusätzlichen Zuschuss von 22.500 Euro, der nicht zurückgezahlt werden muss.
Müssen Bewohner während des Seriellen Sanierens ausziehen?
Nein, das ist einer der zentralen Vorteile. Die Montage der vorgefertigten Außenelemente dauert nur wenige Tage. Lediglich für kurze Durchbrüche oder den Haustechnik-Anschluss kann einzelnen Wohnungen vorübergehend der Zugang eingeschränkt sein, aber ein vollständiger Auszug ist in der Regel nicht erforderlich.
Für welche Gebäudetypen eignet sich Serielles Sanieren am besten?
Besonders wirtschaftlich ist Serielles Sanieren für Mehrfamilienhäuser ab sechs bis acht Wohneinheiten mit ähnlicher Gebäudegeometrie. Für Einfamilienhäuser gibt es inzwischen spezialisierte Angebote, vor allem wenn mehrere Nachbargebäude mit gleichem Bautyp gleichzeitig saniert werden. Mit der neuen EH70-EE-Förderoption werden EFH wirtschaftlich attraktiver.
Brauche ich einen Energieberater für den Förderantrag?
Ja, zwingend. Nur zugelassene Energie-Effizienz-Experten (EEE) können die Bestätigung zum Antrag und die Bestätigung nach Durchführung ausstellen. Ohne EEE gibt es keine KfW-261-Förderung und keinen SerSan-Bonus. Die Kosten für die Energieberatung selbst sind über BEG-Einzelmaßnahmen bis zu 50 Prozent förderbar.
Was passiert, wenn die EH70-EE-Förderung erst im Herbst 2026 startet, kann ich jetzt schon beginnen?
Planen und vermessen kannst du sofort, das ist ausdrücklich vor der Antragstellung erlaubt. Verträge mit dem Sanierungsanbieter dürfen aber erst nach dem KfW-Antrag unterschrieben werden. Wenn du auf den neuen EH70-EE-Bonus wartest, solltest du bis Ende September 2026 warten und den Antrag stellen, bevor du den Sanierungsvertrag unterschreibst.
Hinweis zu diesem Artikel
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und wurde von der Redaktion Baukostenplan.de auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen erstellt. Er ersetzt keine individuelle Beratung durch einen zugelassenen Fachmann (Architekt, Ingenieur, Energieberater, Steuerberater, Anwalt). Alle Angaben ohne Gewähr.
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