Was kostet der Rohbau eines Einfamilienhauses 2026?
Der Rohbau ist die teuerste Einzelphase beim Hausbau. Wir erklären, welche Gewerke dazugehören, was sie 2026 kosten und wie du mit den aktuellen Preissteigerungen umgehst.
Was kostet der Rohbau eines Einfamilienhauses 2026?
Der Rohbau ist die erste und oft teuerste Einzelphase beim Hausbau: Vom Bodenaushub über das Fundament bis zum fertig gedeckten Dach fließt hier der größte Teil des Baubudgets. Als grobe Faustregel gilt, dass 35 bis 45 Prozent der Gesamtbaukosten allein auf diese Phase entfallen.
Stand dieses Artikels: 22. Oktober 2026.
Was umfasst der Rohbau genau?
Der Rohbau bezeichnet alle Leistungen vom Bodenaushub bis zum fertig gedeckten Dach, also bevor Fenster, Türen und Innenausbau beginnen. Nach DIN 276 gehören diese Leistungen zur Kostengruppe 300 (Baukonstruktionen), die neben dem eigentlichen Rohbau auch Fenster, Außentüren und den Innenausbau zusammenfasst.
Der klassische Rohbau, den ein Rohbauunternehmen üblicherweise abschließt, umfasst typischerweise:
- Erdarbeiten (KG 320): Bodenaushub, Abtransport, Drainage und Geländegestaltung
- Fundament und Bodenplatte oder Keller (KG 330): Streifenfundament, Bodenplatte oder vollunterkellertes Untergeschoss
- Außenwände (KG 331): Mauerwerk aus Kalksandstein, Poroton, Beton oder Holzständer
- Innenwände und Decken (KG 332, 334): Tragende Innenwände, Stahlbeton- oder Holzbalkendecken
- Dachkonstruktion (KG 360): Zimmermannsarbeiten und Dachstuhl
- Dachdeckung und Dachentwässerung (KG 363, 364): Ziegel, Schiefer, Bitumen oder Folienabdichtung
Fenster, Außentüren und der Innenputz schließen sich erst nach dem Rohbau an und gehören nach DIN 276 zwar zur selben Kostengruppe 300, werden aber separat beauftragt. Den vollständigen Aufbau der Kostengliederung erklärt unser Ratgeber zur DIN 276.
Was kostet der Rohbau pro Quadratmeter?
Als Orientierung gilt: Der Rohbau kostet beim konventionellen Massivhaus etwa 700 bis 1.100 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche (Richtwert, gerechnet, ohne Keller). Dieser Wert hängt stark vom gewählten Haustyp, dem Bodenverhältnis und der Region ab.
Für ein freistehendes Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche bedeutet das einen Rohbauanteil von rund 105.000 bis 165.000 Euro (gerechnet). Bei einem Keller kommen weitere 30.000 bis 60.000 Euro hinzu, je nach Tiefe, Wandstärke und Abdichtungsaufwand.
Ob du Keller oder Bodenplatte wählst, hat erheblichen Einfluss auf das Gesamtbudget. Eine detaillierte Abwägung bietet unser Artikel Keller oder Bodenplatte: Kosten 2026. Für eine auf dein Vorhaben zugeschnittene Schätzung nutze den Baukostenrechner.
Welche Gewerke stecken im Rohbau? Preistabelle 2026
Die größten Einzelposten sind Maurer- bzw. Betonarbeiten sowie Zimmerleute und Dachdeckung, die zusammen in der Regel 70 bis 80 Prozent der Rohbaukosten ausmachen. Das Statistische Bundesamt meldet für August 2026 folgende Preissteigerungen der einzelnen Rohbaugewerke gegenüber dem Vorjahreszeitraum:
| Gewerk | Anteil an Rohbaukosten (Richtwert) | Preisanstieg Aug. 2026 ggü. Vorjahr |
|---|---|---|
| Mauerarbeiten | 25-35 % | +4,2 % |
| Betonarbeiten | 10-15 % | +4,3 % |
| Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten | 15-20 % | +7,6 % |
| Zimmer- und Holzbauarbeiten | 12-18 % | +7,2 % |
| Erdarbeiten | 8-12 % | +6,1 % |
| Sonstige (Drainage, Abdichtung, Gerüst) | 5-10 % | -- |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 9. Oktober 2026 (Baupreisindex Wohngebäude, Neubau, konventionell)
Besonders stark stiegen die Kosten für Dachdeckung und Holzbauarbeiten mit jeweils über 7 Prozent. Sie liegen damit deutlich über dem Rohbau-Gesamtindex von 5,4 Prozent. Wer plant, eine Holzkonstruktion oder ein Satteldach mit Ziegeldeckung zu wählen, sollte diese Dynamik bei der Kalkulation berücksichtigen.
Rohbaukosten nach Haustyp im Vergleich
Massivhäuser und Holzrahmenhäuser unterscheiden sich beim Rohbau erheblich, sowohl in der Kostenstruktur als auch im Bauablauf. Fertighäuser in Elementbauweise haben eine andere Logik, da der Rohbau werksseitig vorgefertigt wird.
| Haustyp | Rohbaukosten pro m² Wohnfläche (Richtwert) | Besonderheit |
|---|---|---|
| Massivhaus (Mauerwerk/Stahlbeton) | 750-1.100 Euro | Hohe Materialkosten, längere Bauzeit und Austrocknungszeit |
| Holzrahmenbau/Holzständerbau | 650-950 Euro | Schnellerer Aufbau, kürzere Bautrocknungszeit |
| Fertighaus (Elementbau) | 500-800 Euro | Werksgefertigter Rohbau, kurze Montagezeit vor Ort |
| Bungalow (eingeschossig) | 800-1.200 Euro | Größere Grundfläche je Quadratmeter Wohnfläche, kein Treppenhaus |
Alle Werte sind Richtwerte (gerechnet). Regionale Unterschiede können diese Spannen um 10 bis 25 Prozent verschieben: Ballungsräume wie München, Frankfurt und Hamburg liegen deutlich über diesen Werten, strukturschwache Regionen in Ostdeutschland darunter.
Die Eigenheiten deines bevorzugten Haustyps erklärt die Seite Massivhaus oder Fertighaus. Regionale Baukosten findest du direkt unter Baukosten Bayern oder Baukosten Nordrhein-Westfalen.
Wie entwickeln sich die Rohbaupreise 2026?
Der Rohbau-Baupreisindex stieg im August 2026 um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, der Gesamtindex für Wohngebäude-Neubauten um 5,5 Prozent. Das zeigen die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts vom 9. Oktober 2026. Zum Vergleich: Im Februar 2026 betrug der Anstieg noch 3,3 Prozent für Wohngebäude insgesamt.
Die Preissteigerungen haben sich im Jahresverlauf 2026 also beschleunigt. Treiber sind vor allem die Rohstoffe für Holzbau und Dachdeckung sowie gestiegene Lohnkosten im Bauhandwerk. Holz, Ziegel und Bitumen reagieren sensibel auf internationale Rohstoffmärkte und Energiepreise.
Für die langfristige Einordnung: Zwischen 2010 und 2025 stiegen die Baupreise für Wohngebäude um 89 Prozent, mehr als doppelt so stark wie die allgemeine Inflationsrate von 38 Prozent im gleichen Zeitraum. Das bedeutet: Wer heute baut, zahlt deutlich mehr als vor zehn Jahren, sollte das Bauen aber nicht unbegrenzt aufschieben, da weitere Steigerungen absehbar sind.
Was treibt die Rohbaukosten? Diese Faktoren beeinflussen den Preis
Den stärksten Einfluss auf die Rohbaukosten haben die Bodenverhältnisse, die Kellerentscheidung, der gewählte Haustyp und die Region. Eine vorausschauende Planung dieser vier Punkte kann die Kosten um 15 bis 30 Prozent senken.
Bodenverhältnisse: Ein Bodengutachten vor dem Grundstückskauf ist unverzichtbar. Felsiger Untergrund oder hoher Grundwasserstand treiben Erdarbeiten und Abdichtungsmaßnahmen massiv in die Höhe. Unser Ratgeber Bodengutachten Kosten erklärt, wie viel ein solches Gutachten kostet und was es liefert.
Kellerentscheidung: Ein vollunterkellerte Haus verursacht im Rohbau 30.000 bis 60.000 Euro Mehrkosten (gerechnet). Dafür gewinnst du Nutz- oder Wohnfläche zu vergleichsweise günstigen Quadratmeterkosten. Eine Bodenplatte ist in vielen Lagen die wirtschaftlichere Wahl.
Hausform: Einfache, kompakte Grundrisse ohne viele Vor- und Rücksprünge sind günstiger als L-förmige oder verwinkelte Grundrisse. Jede zusätzliche Außenecke erhöht Maurer- und Schalungskosten.
Region und Zeitpunkt: Regionale Handwerkerpreise schwanken erheblich. Frühjahr und Frühsommer sind Hochsaison im Rohbau, der Winter bietet manchmal freiere Kapazitäten und verhandlungsfähigere Preise.
Eigenleistungen: Einfache Hilfsarbeiten auf der Baustelle (Materialtransport, Auf- und Abräumen) kannst du selbst erbringen und damit die Rohbaukosten senken. Was steuerlich und bei der Bankfinanzierung als Eigenleistung gilt, erklärt unser Artikel zur Muskelhypothek und Eigenleistung.
Häufige Fragen zu Rohbaukosten
Was kostet ein Rohbau für ein Einfamilienhaus 2026?
Als grober Richtwert liegen die Rohbaukosten für ein freistehendes Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche bei 105.000 bis 165.000 Euro ohne Keller (gerechnet). Mit Keller kommen 30.000 bis 60.000 Euro hinzu. Regionale Unterschiede, Bodenverhältnisse und Haustyp können diese Werte erheblich verschieben. Nutze den Baukostenrechner für eine individuellere Schätzung.
Wie lange dauert der Rohbau?
Bei einem konventionellen Massivhaus dauert der Rohbau typischerweise 3 bis 6 Monate, je nach Witterung und Gewerkkette. Holzrahmenhäuser und Fertighäuser in Elementbauweise sind deutlich schneller: Die eigentliche Montage vor Ort dauert häufig nur 2 bis 6 Wochen.
Welcher Anteil der Gesamtbaukosten entfällt auf den Rohbau?
Der Rohbau (Erdarbeiten bis Dachdeckung, ohne Fenster und Innenausbau) macht in der Regel 35 bis 45 Prozent der Gesamtbaukosten aus. Die DIN 276 Kostengruppe 300 (Baukonstruktionen insgesamt) liegt bei rund 50 bis 55 Prozent, umfasst aber zusätzlich Fenster, Außentüren und Teile des Innenausbaus.
Welche Versicherungen brauche ich während des Rohbaus?
Während der Rohbauphase sind Bauleistungsversicherung und Bauherrenhaftpflicht obligatorisch. Ab Rohbaufertigkeit sollte zudem eine Feuerversicherung greifen. Details zu den einzelnen Versicherungsarten und deren Kosten erklärt unser Ratgeber zu Bauversicherungen.
Kann ich beim Rohbau Eigenleistungen erbringen?
Ja, aber mit klaren Grenzen. Maurer- und Betonarbeiten erfordern Fachkenntnisse und müssen von qualifizierten Unternehmen ausgeführt werden. Eigenleistungen sind im Rohbau vor allem bei Erdarbeiten, Materialtransport und einfachen Hilfsarbeiten sinnvoll. Für KfW-Förderungen müssen statisch relevante Leistungen von zertifizierten Fachunternehmen erbracht werden.
Warum stiegen die Rohbaupreise 2026 so stark?
Das Statistische Bundesamt meldet für August 2026 einen Anstieg des Rohbau-Baupreisindex um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders deutlich stiegen Dachdeckungsarbeiten (+7,6 Prozent) und Zimmer- und Holzbauarbeiten (+7,2 Prozent). Treiber sind gestiegene Rohstoff- und Energiepreise sowie Lohnentwicklungen im Bauhandwerk.
Hinweis zu diesem Artikel
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und wurde von der Redaktion Baukostenplan.de auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen erstellt. Er ersetzt keine individuelle Beratung durch einen zugelassenen Fachmann (Architekt, Ingenieur, Energieberater, Steuerberater, Anwalt). Alle Angaben ohne Gewähr.
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